Die Digitalisierung verstehen und mitgestalten

Unsere Bewunderung der kalifornischen Computerfreaks Steve Jobs, Sergey Brin, Larry Page oder Marc Zuckerberg ist groß. Sie tummelten sich einmal zwischen Garage und Universität. Heute beherrschen sie die globale Plattform-Ökonomie; Politiker träumen davon, ihre Entwürfe für Kommunen und Regionen kopieren zu können.

Google & Co. haben mittlerweile mit ihren Produkten und Geschäftsmodellen aus dem Netz Spinnennetze gemacht. All das geschah in großer Geschwindigkeit, in kaum zwei Jahrzehnten. Weder gesellschaftliche Debatten noch staatliche Regulierungen können bislang mit der digitalen Transformation Schritt halten.

Hier setzen wir mit unserem Portal an: Wir wollen

  • die digitale Transformation verstehen

  • und den digitalen Prozess mitgestalten.

Kleine Projekte sollen sich bilden, die wahlweise entweder die Chancen und Risiken der Digitalisierung an einem selbst gewählten Thema analysieren oder selber eine Gestaltungs-Idee entwickeln, die sie digital umsetzen wollen. Allerdings sollte diese nicht wie üblich, gleich im ersten Schritt in die Einbahnstraße der Start-up-Denke und zur Gründung von Geschäftsmodellen führen. Vielmehr wollen wir uns vor allem an Bedürfnissen und Alltagsproblemen der Bürger orientieren. Wenn daraus möglicherweise dann ein Geschäftsmodell wird, um so besser.

Was heißt, die Digitalisierung besser verstehen?

Die offenen Fragen, die mit der digitalen Transformation aufkommen, sind zahlreich. Einige sind:

Wie sehen die Beutestrategien aus dem Silicon Valley aus? Was sind die Bausteine der Digitalisierung? Ist die Sharing Economy ein Gegenentwurf zur Silicon Valley-Erzählung? Wird Silicon Valley auf Dauer überhaupt überleben, wie Jeremy Rifkin mit seiner Null-Grenzkosten-These vermutet? Wie sehen die Überlebensstrategien für die „Old Economy“ aus? Wie lässt sich die Datenherrschaft der Internetkonzerne einhegen? Welche Vorschläge kommen von der deutschen und der EU-Politik? Welche Vorstellungen gibt es für eine angemessene Bildung in der digitalen Gesellschaft? Was sind Zukunftspfade und was Sackgassen der Digitalisierung?

Die zu bearbeitenden Projekte müssen natürlich kleinteiliger sein als die offenen Fragestellungen zur Digitalisierung. Dazu ein Beispiel: Ein Projekt könnte sich mit der Entwicklung des Buchhandels oder der Musikindustrie bis zur Digitalisierung beschäftigen, um so exemplarisch einen wesentlichen Bausteine der Digitalisierung zu verstehen. Die Projektteilnehmer analysieren gemeinsam vorzufindende Strategien und Ansätze, erarbeiten, wie sich Buchhandel bzw. die Musikindustrie bis zur Digitalisierung historisch entwickelt haben und setzen dies mit ihren Chancen und Risiken beispielsweise in einem kurzen Video um.

Was heißt mitgestalten?


Es bedeutet zuallererst, weder den Verlauf der Digitalisierung noch die Perspektive Geschäftsmodelle als gottgewollt hinzunehmen. Besonders der Ausschnitt Geschäftsmodelle hat sich im Zuge der Digitalisierung unbemerkt in unser Denken eingeschlichen. Der üblichen Fixierung auf Buisiness- oder Geschäftsmodelle wollen wir die Sichtweise auf digitale Bürgermodelle, Ökomodelle, Arbeitsmodelle oder Datenschutzmodelle gegenüberstellen.

Den Rahmen sollten die Themen Klima, Energie, Arbeit, Bildung, Privatheit bilden und hier beispielsweise die Frage, was könnte die Gesellschaft und ihre Bürger mit den Mitteln der Digitalisierung weiterbringen? Was könnte ihnen im Alltag und in der Arbeit, in der Kindererziehung, beim Sport, bei der Altenpflege helfen?

Konkrete Themen der Mitgestaltung könnten sein:

Für den Alltag:
Plattform für den Nahverkehr der Zukunft;
Nachbarschafts-Plattformen für Dorf oder Stadt;
Bürger-Plattform zur Digitalisierung der Stadtentwicklung;
Plattform für Flüchtlinge;
Plattform für den Sportverein

Für die Bildung:
Eine Lehr-/Lern-Plattform für Schüler bzw. Studierende;
Eine Wissens-Plattform der digitalen Transformation;

Für die Arbeit und Dienstleistungen:
Das digitale Fahrrad;
Paketmitnahme-Plattform für Radfahrer;

Für den politischen Dialog:
Bürger-Plattform für Bürger und ihre Abgeordneten in Kommunalplattform;
Entwurf von Maßnahmen gegen Populisten und Echokammern bei Facebook;
Ideen-Plattform für sinnvolle digitale Projekte;

Wie Projekte konkret organisiert werden und ablaufen sollten

Zwei bis drei Studierende finden sich in einem Projekt zusammen.
Sie wählen gemeinsam ein Thema zur digitalen Transformation aus und entscheiden sich für eine Umsetzungsform. Das kann ein Video, eine Audio-Folien-Ausarbeitung oder eine sonstige frei gewählte, kreative Form sein.

Gutes Anschauungsmaterial für ein gelungenes Video liefert die Arbeit „Selbstfahrende Autos“.

Das kleine Projekt: „Wozu noch Bargeld – Blockchain und Fintech vs. Banken und Sparkassen“ ist ein überzeugendes Beispiel für eine Audio-Folien-Ausarbeitung.

 

Besonders gelungene Arbeiten werden in ein elektronisches Archiv eingestellt. Nach und nach wird so eine Datenbank zur digitalen Transformation aufgebaut. Es steht allen Projektteilnehmern, auch um Anleitung und einen Leitfaden für ihr Projekt zu haben, zur Verfügung.

Das Archiv enthält auch eine kompakte, in 16 überschaubaren Portionen gestaltete Videovorlesung über die Bausteine der digitalen Transformation, die im Sommersemester 2017 im Fachbereich Informatik der Universität Hamburg aufgezeichnet wurde. Formal bietet sich für das Archiv der YouTube-Channel an. In der Rubrik Texte zur Digitalsierung, finden sich lesenswerte Arbeiten, die von Studierenden und Dozenten verfasst wurden.

Das vorliegende Portal mit seinem softwaregestützten Lernszenario wurde von Studierenden im Fachbereich Informatik der Universität Hamburg entwickelt. Es geht weg vom Katherlernen, das Dozenten und Studierende in ihren traditionellen Rolle akzeptiert. Der hier gewählte konstruktivistische didaktische Ansatz übergibt einen Teil der Verantwortung an die Studierenden und fordert sie zu eigenverantwortlicher Produktion in Projekten auf.

Genutzt werden sollen frei verfügbaren Web 2.0-Anwendungen, Softwareprodukte bzw. Tools, die leicht zugänglich und einsetzbar sind.